Historie der Metzgerei Otterbein

Unser Geschäft in Lauterbach mit Blick auf den Ankerturm

Bereits 1650 gab es in Lauterbach 6 Metzgereien. Zu ihnen gehörte damals ein Johannes Duchardt; sicherlich der Stammvater einer bald verzweigten Metzgerfamilie Duchardt; aus einer ihrer Linien ging der heutige Betrieb A. Otterbein hervor.

August Otterbein erfuhr die ersten beruflichen Einblicke, die ersten Handgriffe der Fleischhauerei in der bekannten und vorbildlich eingerichteten Metzgerei und Gaststätte Karl Zimmermann in der Obergasse, der alten Metzgergasse. August Otterbein konnte den Duchardtschen Betrieb bald maschinenmäßig und raumtechnisch verbessern, und seine auswärtigen Erfahrungen steigerten Warensubstanz und Angebotsumfang; gefragt waren in den 50er Jahren besonders die vielfältigen Sorten des zarten Aufschnittes.

Den Betrieb vermochte man durch Ankauf des nachbarlichen Ladengeschäftes zu erweitern. In dem ehemaligen Spielwarenladen des Spenglermeisters Hans Alt konnte August Otterbein einen großräumigen, lichten Verkaufsraum einrichten, der seine Produkte in einer Ladeneinrichtung vorstellte, die die modernsten Materialien zur Anwendung brachte. Sie förderten den Zugang zum Kunden weil sie von stiller Werbewirksamkeit waren. Die Lauterbacher Metzger lieferten ihre bekannte und begehrte Oberhessische Wurstware, ihre Hausmacher Wurst- in rheinländische und hessische Großstädte. Seit 1949 belieferte die Metzgerei August Otterbein vor allem das bekannte Wurstlädchen am Darmstädter Luisenplatz.


Die Töchter August und Herta Otterbeins Christa und Mechthild blieben dem alten Handwerk der Familie Duchardt treu, beide heirateten Metzgermeister aus nahen Orten. Christa, die älteste, den aus Maar gebürtigen, auch einer alten Metzgerfamilie entstammenden Helmut Wöll. Ihm ist es gelungen, den erweiterten Fleischereibetrieb durch entsprechende Baumaßnahmen, durch Um- und Neubauten auf neu erworbenem Altbaugelände im Ortsteil Maar anzusiedeln. Dieser verfügt heute im umgebauten alten Wohnhausbereich über einen großen kundenfreundlichen Verkaufsraum.

Metzgermeister Helmut Wöll, dessen tüchtige Söhne Bernhard und Stefan den Vater beruflich erfolgreich unterstützen, kaufen wöchentlich 60 Schweine und 2-3 Stück Großvieh, gezogen im heimatlichen Umfeld. Im modernen Schlachthof Fuldas, der größte der osthessischen Region, werden der Firma die nahrungsdienlichen Körperteile des Schlachtviehes vorbereitet, die die Metzgerei Helmut Wöll dann sofort zu verarbeiten vermag. Die Fleischerei, die  über eine Produktionsfläche von ca. 300 qm verfügt, zeigt in der Eingansetappe ihrer Werkräume noch den Bezug zum Schlachthaus, dann aber in großen hellen Räumen die in Edelstahl blinkenden unterschiedlichen Maschinen, die eine maximale Mechanisierung der früheren Handwerksvorgänge rationalisiert; auch Kühlen und Räuchern.

Beeindruckend sind die großen Wurstkammern, die die Ware zur letzten Reife führen. Und zu stillen Augen- und Geruchssensationen führen die von der zentralen Produktion zurecht abliegenden Räumen, gut trocken gehalten, in denen die Gewürze eine sachgerechte Aufbewahrung erfahren; auch die sorgfältig gebündelten oder eingeschwemmten Darmsortiment. Hier wird der Silberglanz der Maschine durch die Hygiene kunststoffgeformter Behältnisse ersetzt. Man spricht zurecht vom Metzgerhandwerk, der Wöllische Betriebsgang zeigt, dass er eine technologische Kunstform geworden ist. Ein solcher Betrieb kann als Fleischerei und Wurstfabrikation mit neun Fachkräften auskommen.

20 geschulte Angestellte bedarf diese Produktionsstätte im Verkauf. Die gelernte Fleischereifachverkäuferin hat der weiblichen Jugend einen neuen Berufszweig eröffnet. Aber die Familienmitglieder sind auch hinter der Theke für ihre Kunden immer präsent. Ein Drittel der Ware wird auswärts verkauft.

Verfasser: Prof. Karl August Helfenbein